„Das Tal der Issa“ – Einblicke in das Leben des Vorbesitzers

In einem Second-Hand-Kaufhaus habe ich prüfend vor einem Bücherregal gestanden. Wer weiß, was für Schätze man unerwartet dort finden kann. Meine Augen sind darauf geschult, schlichte Buchrücken aus einer Unmenge von überillustrierten Buchrücken herauszufiltern. Und da blieben meine Augen an einer mir herzerwärmenden Schriftart kleben: … „Das Tal der Issa“ – Einblicke in das Leben des Vorbesitzers weiterlesen

Melancholie als Thema in der „Psychologie heute compact“

Als ich vor kurzer Zeit in Hannover die kurze und hektische Zeit zwischen zwei Zügen in einem Zeitschriftengeschäft verbrachte, erregte eine Überschrift meine Aufmerksamkeit: Melancholie. Eine Ausgabe der „Psychologie heute compact“ widmet sich diesem Gemütszustand. Ich möchte mit diesem Beitrag auf einige Schwerpunkte dieser Zeitschrift … Melancholie als Thema in der „Psychologie heute compact“ weiterlesen

Grau in Grau – Ich halte (fast) Winterschlaf

Diesen Winter bin ich wie gelähmt. Mein Körper und mein Kopf wollen nicht so richtig. Am Tage kämpfe ich mich durch das Denken wie im Traum. Ich neige zum Nichtstun und bin unausgeglichen.

Bisher ist mir der Winter und die Dunkelheit gleichgültig gewesen. Das Kommen und Gehen der Jahreszeiten ist für mich normalerweise ein spannendes Schauspiel. Wie sonst könnte man sich auf den Frühling, auf das Grün und auf das Sonnenlicht freuen, wenn nicht viele Wochen vorher kalt, nass und ungemütlich wären? So war bisher meine Einstellung. Aber dieses Mal  reagiere ich besonders empfindlich auf den Winter, will ihn am liebsten ganz überspringen oder gar niemals wiedersehen.

Den halben Dezember litt ich unter dem grauen Himmel, den stürmischen Winden, dem peitschenden Regen. Das Leiden zeigte sich mir am deutlichsten durch ständige Erschöpfung: Kaum saß ich auf dem Sofa, wollte etwas lesen oder fleißig für meine Studiengänge sein,  da fielen mir die Augen zu. Vor meinem Fenstern war die Welt grau. Grauer wolkenverhangener Himmel, graue nassglänzende Straßen. Nur diffuses Sonnenlicht; keine pralle Mittagssonne, und sei sie noch so tief, schien in mein nach Süden ausgerichtetes Wohnzimmerfenster hinein.

Die Raumluft kann mir das ganze Jahr an die Substanz gehen. Frische atembare Luft ist mir sehr wichtig, da mir ansonsten Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall Migräne drohen. Sind in der kalten Jahreszeit die Heizungen auf „volle Pulle“, dann dämmere ich dahin, könnte den ganzen Tag verschlafen. Das leise, monotone Geräusch der Heizkörper verbreitet kuschelige Stimmung. Sind in meinem kleinen Wohnzimmer mehr als drei Leute anwesend, verbraucht sich die Luft meinem Empfinden nach so schnell, dass ich am liebsten alle fünfzehn Minuten die Fenster aufreißen möchte. Doch bäh! Draußen ist es nasskalt.

Waren, wie kurz nach Silvester, Hochdruckgebiete unterwegs, dann gab es plötzlich Sonne und  blauen Himmel ! Ich genoss jeden noch so kleinen Spaziergang, atmete viel von der eiskalten, aber kristallklaren Luft. Meine Laune verbesserte sich, ich war wacher und fitter. Morgens kam ich besser aus dem Bett und nachts machte ich unter dem sternklaren Himmel Spaziergänge . Denn nächtliche Schwärze ist wunderschön, zu allen Jahreszeiten – nicht wie das winterliche Grau

Da die aktuelle Wetterlage wieder sehr zu wünschen übrig lässt, wird mein unfreiwilliger Winterschlaf länger andauern als mir lieb ist. Um mich herum sind die Menschen produktiv und und fallen abends sofort in den Schlaf, sobald sie im Bett liegen. Ich werde mein Dasein bis zum nächsten Hochdruckgebiet durchstehen müssen. Und wenn sich in wenigen Monaten die ersten Krokusse bemerkbar machen, werde ich sie vermutlich so intensiv wahrnehmen wie niemals zuvor.

Extrovertierte Menschen – und was von mir übrigbleibt

Ich gehöre zu den INFP, den introvertierten, intuitiven, fühlenden und wahrnehmenden Persönlichkeiten. Von der von C.G. Jung entwickelten Persönlichkeitstypologie las ich zuerst im Buch „Sensibel kompetent – zart besaitet und erfolgreich im Beruf“ von Marianne Skarics. Mithilfe dieser Kategorie gehöre ich zu den introvertiertesten und idealistischen Persönlichkeiten. Im Umgang mit extrovertierten Menschen merke ich immer wieder, welche Gräben entstehen können.

Ich hatte im Leben die verschiedensten Phasen. Es gab gewisse Abschnitte, in denen ich mein mimosenhaftes Wesen mit Extrovertiertheit hatte verschleiern wollen. Immer wieder kam ich in einen Konflikt. Heute verstehe und schätze ich meine verschwiegene zurückhaltende Art.

Und ich verstehe diese meine Art umso mehr – wie ein Faustschlag kann sie mich treffen – wenn ich längere Zeit mit extrovertierten Menschen zusammen Zeit verbringe. Vor knapp zwei Monaten hatten meine Freundin und ich eine solche Dame für drei Tage bei uns zu Besuch. Diese junge Frau ist einzigartig und besonders. Sie ist so speziell und extrovertiert, dass sie nach drei Tagen eine große Last für mich wurde. Dabei schätze ich diese Person, besonders für ihre Individualität und Durchsetzungskraft. Aber mir wird in diesen Situationen nach und nach klar, dass ich langfristig mit solchen extrovertierten Menschen (ich muss leider schon fast sagen: penetrante Menschen) nicht verkehren kann, weil es mir unglaublich an die Substanz geht.

Drei Tage, an denen jede Information, die mit menschlichen Sinnen erfasst werden kann, rigoros kommentiert werden musste. Alles was diese Person sah, roch, fühlte, hörte und schmeckte – alles musste mit humorvollen, sarkastischen oder ironischen schnippischen Einzeilern kommentiert werden. Jede Emotion wurde körperlich bis ins Letzte ausgedrückt. Wir saßen zu dritt im Kino. Während bei mir, weil introvertiert, meine Sinneseindrücke nach innen wirken, konnte die besagte junge Dame nicht still sitzen bleiben. Sie gestikulierte wild umher, kommentierte sehr viel, ich saß ein wenig verstört zwei Sitzplätze weiter.

Drei Tage, an denen diese junge Dame mit ihrer Dominanz alle Aufmerksamkeit auf sich zog, ohne dass sie dabei etwas Böses beabsichtigen wollte. Es ist nun mal ihre Art, allen Raum in der Gemeinschaft einzunehmen. Sie weiß, wie man kommuniziert, kann mit jedem Kellner oder Kinoangestellen einen Smalltalk beginnen, während ich nach einem „Danke und Tschüss“ wieder verschwunden wäre.

Drei Tage, an denen sie ununterbrochen ihre Meinungen und Ansichten mitteilen konnte. Die junge Dame ist sehr begeisterungsfähig und weiß sich durchzusetzen. Für mich, den Zurückhaltenden, hatte es manchmal den Anschein erweckt, dass keine Widerworte geduldet werden. Worte wurden mir im Mund herumgedreht und meine Argumente wurden zerpflückt. In Anwesenheit solcher mitteilungsbedürftiger Menschen habe ich das Gefühl, immer mehr abzustumpfen.

Drei Tage, an denen mir die extrovertierte junge Frau suggerieren wollte, dass sie ein lockerer, unkomplizierter Mensch ist. Anpassungsfähig und einfach gestrickt – aber in allem, was durch ihre Extrovertiertheit an die Oberfläche drang, zeigte sie sich als unglaublich komplizierter Mensch. Ihr Denken ist bisweilen verworren und unüberschaubar. Und man bekommt ja so viel davon mit. Ich selber bin ebenfalls kompliziert, unüberschaubar und alles andere als einfach gestrickt, aber bei mir liegen diese Wesenszüge in der Tiefe und ich möchte nicht sofort damit hausieren gehen.

Als nach drei Tagen diese junge Dame wieder abgefahren war, blieb von mir nichts als eine leere Zellophanhülle übrig. Ständige Berieselungen füllten mein Innerstes bis zum Anschlag aus und nach der Abreise wurde alles wieder mit einem Ruck aus mir herausgerissen. Es ist wie mit einer Spinne zu vergleichen, die ein Opfer in ihr Netz bekommt, es mit einem ätzenden Sekret ausfüllt, wodurch das Opfer leicht verdaulich wird. Nach drei Tagen Besuch war ich erstmal so fix und fertig, dass ich zwei weitere Tage benötigt hatte, um wieder meine Mitte zu finden.

Der Umgang mit extrovertierten Menschen. In der Vergangenheit hatte ich mehrere dieser Persönlichkeiten als enge Freunde gehabt, damals wollte ich aber nicht zurückhaltend, sensibel und introvertiert sein. Heute suche ich mir meinesgleichen – was erwachte Hochsensible nun einmal tun. Ich glaube so schnell werde ich nicht mehr mit extrovertierten Menschen einen engen Kontakt beginnen können. Was habe ich ihnen zu bieten? Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die besagte junge Frau nach den drei Tagen mit mir ziemlich unterfordert war.Wir sind wie die zwei verschiedenen Enden eines Magneten.

Was bleibt noch zu sagen? Auf jeden Fall, dass ich diese extrovertierten Menschen schätzen und ehren kann, wenn ich deren Gesamtpersönlichkeit aus der Entfernung beobachte. Wenn ich die Einzelteile unmittelbar vor mir habe, alle ihre Facetten, dann bin ich überfordert. Dann sehe ich nicht mehr den eigentlichen Menschen dahinter, alle die extrovertierten Eigenschaften, die mir so fremd, aber auch erstrebenswert erscheinen können, sondern nur noch einen Menschen, der sich nicht extremer von meiner Introvertiertheit unterscheiden kann.